Das Aus für Rakuten France trifft 180 Beschäftigte und 2500 Händler noch 2026 hart

Verfasst von Gerhard Lauxmann

rakuten france schliesst 2026

Rakuten France will seinen Marktplatz Ende 2026 aufgeben. Die geplante Schließung besiegelt damit das Ende eines Unternehmens, das als PriceMinister den französischen E-Commerce über Jahre prägte.

Die monatelange Käufersuche brachte keine tragfähige Lösung. Weder Pixmania noch ein ausländischer Fonds konnten den Konzern überzeugen, sodass der französische Onlinehandel einen langjährigen Marktplatz verliert. Rund 2.500 Händler müssen neue Vertriebskanäle finden, für etwa 180 betroffene Beschäftigte droht der Stellenabbau. Rakuten setzt andere Aktivitäten in Frankreich fort, doch für die Handelsplattform ist Schluss.

Der Schlussstrich nach monatelanger Käufersuche

Am 16. Juli 2026 kündigte Rakuten France das geplante Aus seiner französischen Handelsplattform an. Seit dem 7. April hatte die Investmentbank Carlsquare den Verkaufsprozess begleitet, ohne eine zukunftsfähige Lösung zu finden. Nach monatelanger Käufersuche zeichnete sich damit die gescheiterte Übernahme immer deutlicher ab.

Zwei Interessenten reichten zwar verbindliche Angebote ein, überzeugten aber weder die Geschäftsführung noch die Arbeitnehmervertretung von einer belastbaren Perspektive. Deshalb soll der Marktplatz spätestens Ende 2026 abgeschaltet werden. Käufer und Verkäufer erhalten bis dahin Zeit für eine geordnete Abwicklung; der Abschalttermin im dritten oder vierten Quartal folgt später.

Von PriceMinister zu Rakuten France

Die Plattform startete im Jahr 2000 unter dem Namen PriceMinister und prägte früh den französischen Onlinehandel. Mit der PriceMinister-Übernahme durch den japanischen Rakuten-Konzern begann 2010 eine neue Phase. Jahre später wich die ursprüngliche Bezeichnung der Marke Rakuten France im Marktauftritt.

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Damit schrieb das Portal ein markantes Kapitel der französischen E-Commerce-Geschichte. Es vermittelte neue, gebrauchte und generalüberholte Waren aus Elektronik, Haushaltsgeräten, Spielzeug, Mode, Schönheit und Heimwerken. Das Marketplace-Modell verband Händler mit Käufern, während Club R und Cashback Kunden binden und das Angebot profilieren sollten.

180 Arbeitsplätze stehen vor dem Abbau

Rund 180 Beschäftigte in Frankreich verlieren durch die Schließung voraussichtlich ihre Stellen. Für diesen Arbeitsplatzabbau bereitet Rakuten einen Sozialplan nach französischem Recht vor, den Plan de sauvegarde de l’emploi. Binnen drei Wochen nach der Ankündigung soll der PSE bei der Arbeitsbehörde Drieets eingehen.

Die Geschäftsführung stellte Hilfen in Aussicht, ausgerichtet am Arbeitsmarkt, an der Finanzkraft des Unternehmens und an Forderungen der Personalvertretung. Die CSE-Stellungnahme dazu fiel positiv aus. Zur zugesagten Beschäftigtenbegleitung dürften je nach Ausgestaltung Beratung, Weiterbildung sowie Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung gehören und Übergänge spürbar erleichtern.

Auf einen Blick: Rund 180 Stellen stehen vor dem Abbau; der Sozialplan benötigt die behördliche Prüfung.

2500 Händler müssen ihre Verkaufskanäle verlagern

Für rund 2.500 Händler in Frankreich fällt mit der Abschaltung ein langjähriger Absatzkanal weg. Die aktiven Verkäufer müssen ihre Angebote, Kundengewinnung und mitunter die Bestellabwicklung neu aufstellen. Kleinere Anbieter erwartet besonders viel Arbeit bei Datenübertragung, Gebührenvergleich und Aufbau neuer Kundenbewertungen.

Bis zur endgültigen Einstellung soll eine Übergangsphase Händlern, Käufern und Mitgliedern des Club R Orientierung geben. Als alternative Plattformen bieten sich je nach Sortiment Amazon, Cdiscount, eBay, Leboncoin oder Vinted an. Den Ablauf und den Abschalttermin im dritten oder vierten Quartal 2026 will Rakuten später offiziell veröffentlichen.

Sinkende Kundenzahlen und weniger Besuche

Die Geschäftsentwicklung des französischen Marktplatzes hatte sich über Jahre spürbar abgeschwächt. Binnen zehn Jahren sank die Kundenzahl um 33 Prozent und dokumentierte damit eine rückläufige Nutzerbasis. Zugleich erschwerte die fehlende Größe den Aufbau eines dauerhaft rentablen Geschäfts gegenüber reichweitenstärkeren Wettbewerbern.

Bei den Websitebesuchen fiel die Bilanz noch schwächer aus: Im selben Zeitraum betrug der Rückgang 42 Prozent. Dieser sinkende Traffic schmälerte die Sichtbarkeit der Händler und ihre Aussichten auf Verkäufe. Den daraus erwachsenen wirtschaftlichen Druck konnten weder Cashback und Club R noch Gebrauchtangebote oder Investitionen in künstliche Intelligenz auffangen.

Amazon, Temu und Vinted setzen Rakuten France unter Druck

Rakuten France rang parallel mit Anbietern, die ganz unterschiedliche Stärken ausspielten. Die harte Konkurrenz reichte von breit sortierten Marktplätzen bis zu spezialisierten Wiederverkaufsportalen. Vor allem der Logistikvorteil von Amazon mit schneller Zustellung und umfassender Auftragsabwicklung setzte Maßstäbe für Händler wie Kunden.

Shein, Temu und AliExpress lockten Käufer mit besonders niedrigen Preisen. Solche Billigplattformen aus Asien verschärften vor allem bei Mode und alltäglichen Konsumgütern den Preisdruck. Zugleich besetzten Vinted, Leboncoin und Back Market den Second-Hand-Markt mit passgenauen Angeboten für gebrauchte oder generalüberholte Produkte besonders sichtbar.

Abgelehnte Angebote von Pixmania und einem Fonds

Zum Abschluss der Käufersuche lagen zwei feste Übernahmeofferten auf dem Tisch. Das Pixmania-Angebot stand dabei einer Offerte durch einen ausländischen Investmentfonds gegenüber. Beide Interessenten wollten den französischen Marktplatz weiterführen, konnten die Entscheidungsträger von ihren Konzepten aber nicht überzeugen.

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Der Sozial- und Wirtschaftsausschuss CSE sowie das Management gelangten bei beiden Vorschlägen zu einer negativen Bewertung. Öffentlich fehlen Angaben zu Kaufpreisen, Beschäftigungsgarantien, Finanzierungszusagen und industriellen Konzepten. Welche Bedingungen letztlich zur Ablehnung führten, bleibt daher offen; aus Sicht beider Gremien bot keine Offerte eine langfristig belastbare Zukunftsperspektive.

Rakuten bleibt in Frankreich abseits der Marketplace aktiv

Die Schließung beschränkt sich auf den französischen Marktplatz unter rakuten.fr. Zu den verbleibenden Aktivitäten zählen Rakuten Kobo, Viber, Advertising, Symphony, Viki und Rakuten TV. Der japanische Konzern verlässt damit weder Frankreich noch Europa vollständig, sondern führt Angebote fort.

Auch das 2025 eingerichtete Pariser Technologiezentrum bleibt bestehen und arbeitet unter anderem an Projekten rund um künstliche Intelligenz. Diese digitalen Dienste sind organisatorisch von der Warenplattform getrennt und fallen nicht unter die angekündigte Schließung. Rakuten beendet damit vielmehr sein letztes aktives europäisches Geschäft als allgemeiner Online-Marktplatz.

Gerhard Lauxmann

Erfahrene Fachkraft, leidenschaftlich interessiert am Lernen und am Austausch von Ideen. Verbindet Gründlichkeit, Einfachheit und Offenheit in der Arbeit. Stets neugierig, strebt danach, sich weiterzuentwickeln und ein Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben aufrechtzuerhalten.