Ein vorgelegtes Hochschulzeugnis soll die Zweifel an Ulrich Siegmunds akademischer Vita beenden. Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt geriet durch voneinander abweichende Bezeichnungen seines Studienabschlusses und Studiengangs unter öffentlichen Rechtfertigungsdruck.
Nun dokumentiert die „Junge Freiheit“ eine Urkunde, die einen Bachelor of Arts mit der Note 2,3 ausweist. Damit erhält die Debatte um den Hochschulabschluss kurz vor der Landtagswahl im September 2026 Schärfe, denn die Hochschule führt den Studiengang heute als Bachelor of Science. Aufmerksamkeit weckt der Titel der Abschlussarbeit über Duftmarketing. Der Widerspruch bleibt bestehen.
Zweifel an den Angaben des AfD-Spitzenkandidaten
Ulrich Siegmund führt die AfD als Spitzenkandidat in die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September. Im Wahlkampf rückten seine Angaben zum Studienabschluss ins Blickfeld, da er ein Studium der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie nennt. Redaktionen wollten klären, wann er es abschloss, welchen akademischen Grad er erwarb und an welcher Hochschule dies geschah.
Zunächst blieb eine öffentliche Klärung aus. Die unbeantworteten Medienanfragen mehrerer Redaktionen nährten deshalb Zweifel an der Darstellung des Kandidaten. Gegenüber der „Bild“ sagte Siegmund später, den Bachelor an der Europäischen Fernhochschule Hamburg erworben zu haben. Die als Sprachrohr der Neuen Rechten geltende „Junge Freiheit“ legte daraufhin öffentlich ein Dokument vor, das seinen Abschluss belegen und die Debatte auf eine neue, nachprüfbare Grundlage stellen soll.
Die Urkunde nennt einen Bachelor of Arts mit der Note 2,3
Das veröffentlichte Dokument weist 2016 als Jahr von Siegmunds Studienabschluss aus. Auf der Kopie der Abschlussurkunde wird ihm der akademische Grad „Bachelor of Arts“ verliehen; als Gesamtnote erscheint 2,3 mit dem Prädikat „gut“. Das Papier nennt die Europäische Fernhochschule Hamburg – University of Applied Sciences als die für diesen Abschluss zuständige Hochschule.
Eine Unstimmigkeit zwischen Urkunde und Studieninformation bleibt weiterhin bestehen. Die abweichende Abschlussbezeichnung fällt auf, weil die Hochschule auf ihrer Internetseite für den Studiengang einen „Bachelor of Science“ ausweist, Siegmunds Dokument hingegen einen „Bachelor of Arts“. Daraus folgt weder ein Täuschungsnachweis noch die Ungültigkeit des Abschlusses. Die Differenz erklärt vielmehr, weshalb Journalisten nach der exakten Bezeichnung fragten und die vorgelegte Urkunde breite Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit fand.
Abschlussarbeit über Duftmarketing sorgt für Aufmerksamkeit
Siegmunds Bachelorarbeit rückt wegen ihres ungewöhnlichen Themas neben der Abschlussurkunde in den Blick. Ihr Titel lautet laut „Junge Freiheit“ „Untersuchung von Duftmarketing, anhand des gewerblichen Einsatzes mit einer psychologischen Beeinflussung von Wohlfühlempfindungen und monetären Beeinflussungen des Kaufverhaltens“. Gemeint ist der gewerbliche Einsatz von Düften in Verkaufsräumen. Im Zentrum steht die psychologische Beeinflussung des Kaufverhaltens, etwa durch Gerüche, die Wohlbefinden, Aufenthaltsdauer oder Ausgabebereitschaft der Kundschaft verändern könnten.
Die Themenwahl erklärt einen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit, erlaubt für sich genommen aber kein Urteil über die akademische Qualität. Die veröffentlichte Kopie belegt vielmehr, dass diese wissenschaftliche Arbeit an einer Fernhochschule zu Siegmunds 2016 verliehenem Bachelorabschluss gehörte. Frühere Plagiatsaffären um Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan zeigen, weshalb Abschlussarbeiten von Politikern in Deutschland genauer geprüft werden und schon ungewöhnliche Titel Debatten auslösen können.